ELFE II
Wie viel vom Gelesenen ankommt.
Was bedeutet ELFE II?
Der ELFE II prüft nicht, wie schnell oder wie fehlerfrei ein Kind liest, sondern wie viel es versteht. Das ist ein anderer Blickwinkel als bei den meisten Lesetests – und für viele Familien der aufschlussreichere. Denn ein Kind kann einen Text ordentlich vorlesen und hinterher nicht sagen, worum es ging. Geprüft wird auf drei Ebenen: einzelne Wörter, ganze Sätze und zusammenhängende Texte. So lässt sich erkennen, wo das Verstehen abreißt.
Typische Merkmale
- Aufgaben auf Wortebene: Passt das Wort zum Bild?
- Aufgaben auf Satzebene: Ergibt der Satz einen Sinn?
- Aufgaben auf Textebene: Was stand da eigentlich?
- Getrennte Ergebnisse für die drei Ebenen
- Durchführung am Computer oder auf Papier möglich
Wie wirkt sich das auf das Lernen aus?
Wenn ein Kind auf Wortebene sicher ist und erst bei Texten einbricht, liegt es selten am Lesen selbst. Dann kostet das Erlesen so viel Kraft, dass für den Inhalt nichts übrig bleibt – oder das Kind verliert über die Länge den Faden. Bricht es dagegen schon bei einzelnen Wörtern ein, sitzt die Schwierigkeit früher, bei der Zuordnung von Buchstaben und Lauten. Beides braucht eine andere Förderung. Genau deshalb wird der Test oft zusammen mit einem Lesetest eingesetzt, der die Flüssigkeit misst.
Wie können Eltern unterstützen?
- Lass dein Kind einen kurzen Abschnitt vorlesen und frag danach beiläufig, was passiert ist
- Achte auf das Muster: Klingt das Vorlesen gut, bleibt die Antwort aber aus?
- Mach daraus keine Prüfung – sonst verändert sich die Situation und die Beobachtung wird wertlos
- Frag im Befund nach den drei Ebenen, nicht nur nach dem Gesamtwert
Schule & Unterstützung
Du brauchst keinen Test, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Wenn das Vorlesen gut klingt, die Antwort auf „Worum ging es?“ aber ausbleibt, ist das genau das Muster, das dieser Test genauer anschaut.
Häufige Fragen zu ELFE II
Mein Kind liest doch flüssig vor. Warum dieser Test?
Weil flüssiges Vorlesen und Verstehen zwei verschiedene Fähigkeiten sind. Manche Kinder lesen technisch sauber und nehmen inhaltlich wenig mit – das fällt oft erst auf, wenn in der Schule Textaufgaben oder Sachtexte dazukommen.
Ist ein schwaches Ergebnis dasselbe wie LRS?
Nein. Leseverständnis kann aus vielen Gründen schwach sein – auch weil einem Kind Wortschatz fehlt, weil es eine andere Erstsprache hat oder weil es sich schwer konzentrieren kann. Der Test zeigt, dass etwas nicht ankommt, nicht warum.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Lenhard, W. & Schneider, W.: ELFE II. Ein Leseverständnistest, Version II. Hogrefe
- Rosebrock, C. & Nix, D.: Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung
Diese Erklärung hilft dir, einen Befund zu verstehen. Was ein Ergebnis für dein Kind bedeutet, gehört in ein persönliches Gespräch.
Stand: August 2026
Autorin: Christine Grimm, ganzheitliche Lernexpertin – Lernen einfach erleben
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