Diskrepanzkriterium

Der Vergleich von Lese-Rechtschreibleistung und Intelligenz – fachlich überholt, aber noch im Umlauf.

Was bedeutet Diskrepanzkriterium?

Das Diskrepanzkriterium verlangt, dass die Lese- oder Rechtschreibleistung deutlich unter dem liegt, was nach der gemessenen Intelligenz zu erwarten wäre. Nur dann wurde früher von einer Lese-Rechtschreibstörung gesprochen; Kinder mit niedrigerem IQ galten stattdessen als allgemein lernschwach und blieben von Förderung häufig ausgeschlossen.

Typische Merkmale

Wie wirkt sich das auf das Lernen aus?

Die Kritik hat zwei Stränge. Fachlich zeigen Studien, dass sich Kinder mit und ohne IQ-Diskrepanz in Fehlerbild, Verlauf und Förderbedarf kaum unterscheiden – der Intelligenzwert sagt wenig darüber aus, welche Leseförderung wirkt. Praktisch führte das Kriterium dazu, dass gerade Kinder mit ohnehin schwierigen Startbedingungen keine Unterstützung erhielten. Die ICD-11 hat die Anforderung entsprechend nicht übernommen.

Wie können Eltern unterstützen?

Häufige Fragen zu Diskrepanzkriterium

Braucht mein Kind für eine LRS-Diagnose einen IQ-Test?

Ein Intelligenztest wird oft weiterhin durchgeführt, um andere Erklärungen auszuschließen. Ein bestimmter Abstand zwischen IQ und Leseleistung wird nach aktuellem fachlichem Stand aber nicht mehr verlangt.

Was gilt jetzt stattdessen?

Maßgeblich ist, dass die Lese- oder Rechtschreibleistung deutlich unter dem Alters- beziehungsweise Klassenniveau liegt, die Schwierigkeit anhält und sich nicht durch fehlenden Unterricht oder unkorrigierte Seh- und Hörprobleme erklären lässt.

Verwandte Begriffe

Quellen

Diese Erklärung hilft dir, einen Befund zu verstehen. Was ein Ergebnis für dein Kind bedeutet, gehört in ein persönliches Gespräch.

Stand: August 2026

Autorin: Christine Grimm, ganzheitliche Lernexpertin – Lernen einfach erleben

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